Meeresangeln in Irland: Culoo rockt!

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Angeln am Culoo Rock auf Valentia Island
Culoo Rock: Wind, Wellen und Wahnsinns-Ausblick!

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Warnschild am Culoo Rock auf Valentia Island
Steht nicht ohne Grund da ...!
Lippfisch am Culoo Rock auf Valentia Island
Lippfisch-Brummer aus dem schäumenden Atlantik (Foto stammt von meiner 2007er Tour)
Angler am Culoo Rock auf Valentia Island
Viel zu viel Tackle dabei! Einem anderen Angler riss eine größere Welle sämtliches Gerät in den Atlantik. Zum Glück nur das Gerät ...
Makrelenangeln am Culoo Rock auf Valentia Island
Irische Jugend beim Makrelenfang
Angelmontage für Conger und Pollack
Simple Montage für Conger & Co.
Conger am Culoo Rock auf Valentia Island
Alle drei Conger blieben Sieger ... spannend war's trotzdem!
Dreibärtelige Seequappe am Culoo Rock auf Valentia Island
Ein bärtiger Angler mit dreibärteliger Seequappe
Pollack am Culoo Rock auf Valentia Island
Bronze-farbene Kämpfer aus der Brandung: Pollacks!
Haus am Culoo Rock auf Valentia Island
Angeln am Ende der Welt: das letzte Haus vor Culoo Rock! War leider geschlossen ;-)

Rubrik: Fishmaps-Bericht
Region: Kerry
Fischarten: Conger, dreibärtelige Seequappe, gefleckter Lippfisch, Makrele, Pollack
Angelmethoden: Brandungsangeln

Geo. Länge: -10.391680
Geo. Breite: 51.915047

Spektakulär. Gefährlich. Fischreich.

Na? Klingt das nach einer Kombination, die man beim Angeln am Meer nicht jeden Tag erlebt? Mit Sicherheit!

Irland ist voll von beeindruckenden Orten, an denen man als Angler neben tollen Fischen auch eine unvergessliche Atmosphäre einfängt. Und Irland ist ebenfalls voll von spektakulären Angelplätzen, die eine unvergleichliche Fischerei erlauben. Einer davon ist Culoo Rock! Kommt mit zu einem ganz speziellen Ort, an dem Ihr das Meeresangeln in Irland von seiner spektakulärsten Seite kennenlernen werdet.

Küstenangeln in Kerry

Tief im Südwesten Irlands, im County Kerry, auf der unter vielen Irland-Fans sicher bekannten Insel Valentia Island gibt es einen Felsen, der hoch über die wogende Dünung des Atlantik ragt. Ein Felsen, an dessen Fuß sich große Wellen brechen. Von dem aus man an manchen Tagen Basstölpel beim Sturzflug und Robben bei der Jagd in weißen Wellenkämmen beobachten kann. Ein Felsen, der an Tagen mit wenig Wind und Regen gerne von Gestalten aufgesucht wird, die mit festem Schuhwerk und ein bis zwei Ruten unterm Arm sich einen Platz auf den Steinplateaus suchen, um von dort in dem tiefen Wasser zu fischen.

Culoo Rock

2005 war ich mit Holger Höner zum ersten Mal dort. Kevin Brain, einer der irischen Top-Guides vor allem für Meeresangler, versprach uns eine unvergessliche Fischerei. Und der Mann aus der Küstenstadt Waterville hielt Wort! 2007 war ich im Rahmen eines privaten Urlaubs erneut am Felsen und erlebte wieder eine tolle Fischerei vor atemberaubender Szenerie! Vorweg: Mit diesem Angelplatz beschreibe ich keinen geheimen Platz, den nur Angelguides kennen, denn Culoo Rock ist in der Region eine bekannte wir berüchtigte Angelstelle. Geheimplätze von Guides werden hier also auf keinen Fall verraten! Auch ist Culoo Rock kein einzelner Felsen, sondern eher eine Felsformation. Allerdings beschränken sich die anglerischen Möglichkeiten auf nur wenige Stellen an dieser exponierten Küste.

Angeltrip auf Valentia Island

August 2005: Drei Angler unterwegs im County Kerry. Wenig Wind und herrlichster Sonnenschein bilden die Kulisse für die folgenden Stunden am Meer. Kevins kleiner Kombi biegt von der nördlichen Küstenstrasse Valentia Islands in einen Schotterweg ab, der in Hörweite des nahen Atlantiks in einer Sackgasse umgeben von Wiesen endet. Drei weitere Autos parken bereits am Wegesrand. Wir sind also nicht allein an der Küste. Ein unmissverständliches Warnschild lässt uns erahnen, weshalb Kevin erst zwei Tage mit Wind und Regen abgewartet hat, eh' er mit uns an diesen speziellen Ort gefahren ist. Wir schultern unser Gepäck bestehend aus Brandungsruten, Seeringelwürmern als Köder, Kleinteilen wie starken Wirbeln, Haken und Grundbleien und etwas Verpflegung und machen uns auf den Weg. Parallel zur Steilküste durchqueren wir in östlicher Richtung eine Wiese, übersteigen eine Steinmauer und starten den ersten Angelversuch bei auflaufendem Wasser von einem der Nebenfelsen des eigentlichen Culoo Rock.

Fischen am Abgrund

Unter uns weiß schäumendes Wasser, in dem eine Robbe ihre Tauchgänge unternimmt, sich aber zum Glück weiter entfernt, als wir unsere Position auf dem Felsen beziehen. Das Panorama ist unbeschreiblich. Atemberaubend. Traumhaft schön! Immer wieder schlägt die schwere Restdünung vom windigen Vortag gegen die sich zu unserer Rechten erhebenden dunklen Felsvorsprünge, um sich in bis zu zehn Meter hohe, schäumende Fontänen zu verwandeln! Auf Augenhöhe lassen sich Möwen vom küstennahen Aufwind tragen. Hinter uns über den Wiesen der Gesang von aufsteigenden Lerchen und über allem das Brodeln und Fauchen des Atlantiks! Fast könnte man vor lauter Faszination dieses magisch anmutenden Ortes das Angeln vergessen und einfach nur zuschauen, zuhören und die herrliche reine Meeresluft atmen … aber nur fast!

Lippfische – und was für welche!

Denn Kevin hat bereits seine Rute mit einem Seeringelwurm beködert, locker mitten ins schäumende Wasser geschlenzt und hat nach nicht einmal einer Minute bereits den ersten großen Lippfisch am Haken! Orange, rot, braun, lila schimmert der bunte Fang, den er die steilen Felsen hochgekurbelt hat! Und durchaus respekteinflößend wirken die kleinen Zahnreihen, mit denen der „Ballan Wrasse“ (engl. für „gefleckter Lippfisch“) ohne Mühe Krabben knackt. Diese hübschen, standorttreuen Gesellen suchen bevorzugt felsige Küsten auf der Suche nach Muscheln, Krebs- und Weichtieren ab. Sekunden später haben auch Holger Höner und ich unsere Haken beködert, befördern die Endblei-Montagen mit dem Seeringelwurm in die Tiefen zu unseren Füßen, heben leicht die Rutenspitze an und nehmen so Kontakt zum Blei auf. Es dauert auch bei uns nicht allzu lange, bis ein energisches Rucken in der Rute einen Interessenten am anderen Ende der Schnur ankündigt. Ein schneller Anhieb und die Brandungsrute mit 200 Gramm Wurfgewicht biegt sich zum Halbkreis. „Macht mehr Spektakel als ein gleich großer Dorsch!“ fährt es mir durch den Kopf. Ein Lippfisch von rund vier Pfund wird gelandet und nach kurzem Fototermin wieder zurückgesetzt. Laut Kevin gehen hier sogar immer wieder Lippfische von sechs Pfund an den Haken!

Massen von Makrelen

Nach ein paar weiteren tollen Drills und Fotos von diesen herrlich gefärbten Fischen schultern wir erneut unser Gepäck und erreichen nach kurzer Klettertour vorbei an ein paar weiteren Anglern unser eigentliches Ziel: Culoo Rock! Auf komfortabel aussehenden Steinplateaus entladen wir unser Gepäck und montieren unsere Brandungsruten: Erstmal ein Makrelen-Paternoster einhängen, Endblei dran und Köder besorgen! Keine fünf Würfe später haben wir genügend Makrelen gelandet, um zum eigentlichen Angeln überzugehen: eine einfache Laufblei-Montage mit einem mindestens einem Meter langen 0,50er Vorfach kommt zum Einsatz. Köder: Makrelen-Fetzen. Übrigens kommen die meisten der einheimischen Angler genau wegen dieser Fische hierhin: Makrelen. Sie lassen sich hier zeitweise in Massen fangen und bereichern im Sommer so manchen irischen Speiseplan.

Conger-Kontakt

Zurück zu unserem Vorhaben mit Makrelen als Köder: Mit einem gefühlvollen Schwung wird die Montage so weit es geht Richtung Horizont geworfen, dann absinken lassen, kurz Grundkontakt aufnehmen und langsam einholen. Zielfische: Pollack und Conger. Bereits beim dritten Wurf hat Holger Höner einen Biss direkt unter uns am Fuß des Felsens. Ein Anhieb und die Brandungsrute krümmt sich beängstigend! Der Fisch muss schnell vom hängerträchtigen Grund weg – also gleich richtig dagegenhalten! An die Oberfläche kommt ein oberarm-dicker Conger! Leider klappt Kevins Landeversuch nicht (sein Rezept: sobald der Conger den Kopf deutlich über Wasser hat, in die Schnur greifen und ihn auf die Felsen ziehen) und der Conger verschwindet wieder in den Fluten.

Fänge vom Felsen

Kurze Zeit später wieder ein Biss bei Holger. Direkt am Fuß des Felsen hat sich ein Meeresbewohner das Makrelenstück einverleibt und Holger kurbelt zügig, damit der Fisch sich nicht festsetzt. Der Fang ist nicht allzu groß, aber selten: eine dreibärtelige Seequappe (engl. "three-bearded Rockling")! Sieht aus wie eine orange gefärbte Aalquappe und fängt man auch nicht alle Tage. Nach einem recht weiten Wurf und dem ersten Grundkontakt dann auch ein Fisch an meiner Rute: der erste Pollack! Wunderschön gefärbt und ein erstklassiger Kämpfer. Weitere Fischarten, die an den Haken gehen: die bereits bekannten gefleckten Lippfische und auch ein Kuckuckslippfisch. Auch zwei weitere Congerbisse haben wir, aber diese können wir leider ebenfalls nicht verwerten. Spätestens an der Wasseroberfläche haben sie sich geschickt rausgedreht und wieder ihr Versteck am Fuß des Culoo Rock bezogen. Was für ein Angelplatz! Was für eine Vielfalt! Vor lauter Fangfieber bemerken wir kaum, dass langsam das Wasser aufläuft. Immer öfter werden die niedriger gelegenen Plateaus von einer Welle überspült. Immer höher kriechen die Wellen nach und nach die steinigen Ebenen hinauf. Und genau das ist brandgefährlich! Kevin mahnt uns zum Aufbruch. Immer wieder kommt es an genau diesem Felsen zu Unfällen von unvorsichtigen oder leichtsinnigen Anglern – oft auch mit tödlichem Ausgang!

Vorsicht wichtiger als Fisch

Folgende Risiken solltet Ihr beim Angeln am Culoo Rock unbedingt berücksichtigen:

Gefahrenpunkt Nr. 1: Die gewaltigen Wellen, die immer wieder gegen die Felsen schlagen und bei auflaufendem Wasser oder starken westlichen Winden oft die Steinplateaus, von denen geangelt wird, überspülen und im besten Fall nur das Angelgerät, im schlimmsten Fall den Angler gleich mit ins Meer reißen. Ausstiegspunkte gibt es am Culoo Rock keine!

Gefahr Nr. 2: Regennasse Felsen! Auch bei Regen sollte man diesen Angelplatz meiden, da die Gefahr, auf den glitschigen Steinen auszurutschen, einfach zu groß ist!

Noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Auch wenn dieser sehr ergiebige Angelplatz dazu verleitet, zu fangen und zu fangen (vor allem Makrelen gibt es in rauhen Mengen!), sollte man nicht übertreiben und vor allem die standorttreuen Fischarten (Conger, Lippfische) lieber wieder zurücksetzen. Nachfolgende Angler werden es uns danken ….

Nüzzjanix,
Holger

Autor: Holger Bente