Hechtattacke statt Maifliegenschlupf

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Lough Ree: Pub für Angler
Und sofort fühlt man sich als Angler im Pub zu Hause ....

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Unterkünfte am Lough Ree
Frisch geschlüpfte Angler in der Hütte, Hüllen hängen noch an der Wand.
Lough Ree
Bestes Urlaubswetter am Lough Ree. Toll für Fotos - nicht so toll zum Fischen.
Angelboote am Lough Ree
Boote können richtig hübsch sein ...
Brown Trout (Bachforelle) am Lough Ree
Die Erste! Endlich!!!
Brown Trout (Bachforelle) am Lough Ree
Toll gefärbt sind sie ... auch die Angler!
Bootsangler am Lough Ree
Irgendwie perfekte Bedingungen - auch für's Dapping
Hechtdrill am Lough Ree
Brachialer Biss und Tauchgang unters Boot: der Tanz beginnt!
Großer Hecht von Siegi Stümke am Lough Ree
Was für'n Fisch!!
Hecht im Drill in Irland
Und die halbstarken Hechte machten einen auf Bachforelle und schossen aus dem Wasser!

Rubrik: Fishmaps-Bericht
Region: Westmeath
Fischarten: Bachforelle, Hecht
Angelmethoden: Fliegenfischen

Geo. Länge: -7.921400
Geo. Breite: 53.483756

Mai. Maifliegenschlupf. Beste Bachforellenzeit. Auf nach Irland!

Muss man als Fliegenfischer mal gemacht haben. Ehrlich! Ich persönlich bin absoluter Fan dieser Fischerei: Tausende von Fliegenfischern zieht es jedes Jahr auf viele der großen irischen Seen. Maifliegen und Köcherfliegenlarven schlüpfen bei passenden Bedingungen zu Tausenden und die Fische scheinen Schlange zu stehen nach diesen fetten Happen. So war auch Siegis und mein Plan im Mai 2007. Beflügelt von der Information, dass der für seine exzellente Hechtfischerei bekannte Lough Ree sich in den letzten Jahren wieder zu einem Geheimtipp unter Fliegenfischern entwickelt hat, die es auf die kampfstarken „Browntrouts“ (engl. für „Bachforellen“) abgesehen haben, bezogen wir unser Quartier in den komfortablen Unterkünften der Sea-View-Cottages. Kurz vorher noch hatten wir passende Maifliegen in allen Varianten gebunden und zusätzlich ein paar geniale Muster vom bekannten Fliegenbinder Christian Kuchelmeister geschickt bekommen. Wir waren bestens vorbereitet .... Es musste schiefgehen!

Kaum angekommen purzelte mir aus dem Rutenrohr mit den Fliegenruten beim Auspacken die zehn Zentimeter lange Spitze einer Fliegenrute entgegen. Nee, nä!? „Siegi, hast Du 'ne blaue Rute mit?“ „Nö!“ Also doch meine … Mist! Zum Glück war's meine Zweitrute, so dass ich auf jeden Fall ohne große Neu-Investitionen am nächsten Tag mit dem Fischen beginnen konnte. Abends dann ein netter Willkommenstrunk beim Besitzer der Anlage Owen Egan. „Had an unusual warm April. I am afraid mayfly-hatch has been very early this year … it's nearly over now.“ Nee, nä!? Bitte nicht! Egal, nun sind wir auf jeden Fall hier und machen das beste draus.

Am kommenden Morgen Windstärke 5. Auch egal. Wir wollen raus! Können uns ja irgendwo im Windschatten der zahlreichen Inseln platzieren. Gottogott..., was ein Geschaukel! Habe mich selten im Boot so schlecht gefühlt. Waren ein paar Guinness und Whiskey mehr gestern Abend. Egal, war super nett und haben viel gelacht. Jetzt auf dem Boot das Gegenteil: konzentriertes Einfädeln der Schnur in das Hakenöhr. Drei Fliegen montiert. Ist beim Lough-Style-Fischen üblich! Und nun fischen … und werfen … und werfen … und enttüddeln … und werfen …

Nicht weit entfernt taucht zwischen den grauen Wellenbergen das Boot eines Iren auf, der mit echten Maifliegen an der langen Rute es mit Dapping probiert: mittels einer zerfaserten Schnur (der sogenannten „Blow-Line“) zwischen Rutenspitze und Vorfach lässt er den heute reichlich vorhandenen Wind sein lecker Maifliegen-Bündel vor sich auf der Wasseroberfläche tanzen. Scheint heute aber auch nicht DIE Methode zu sein … Fischaktivitäten sind auch kaum zu erkennen.

Das ist Thoooomsen!!!“ brüllt Siegi unvermittelt mit dem Finger auf das irische Boot zeigend und in gespielter, freudiger Überraschung. Wir beide haben die legendäre Szene aus „Das Boot“ vor uns und setzen mit dem Lachen dort an, wo wir gestern Abend aufhörten. Manchmal lacht man auch einfach so. Oder vor Schwäche. Egal - wir brechen für heute ab. Wüsste nach wie vor gerne, was der Ire von uns dachte ...

Ein neuer Tag und strahlender Sonnenschein! Gibbsdochgarnich! Irisches Wetter eben. Erheblich motivierter (gut ... und zugegebenermaßen ausgeruhter) steuern wir unser Boot auf den Lough Ree. Fast spiegelblank liegt der große See, durch den Irlands größter Fluss, der Shannon, fließt, vor uns. Unruhig suchen unsere Augen die Wasseroberfläche nach Fischaktivitäten ab. Nichts. Gar nichts. Monoton röhrt der Außenborder, während wir etwas desillusioniert über die glatte Seeoberfläche starren. Leere Hüllen bereits geschlüpfter Maifliegen treiben immer wieder durchs Wasser. Das große Schlüpfen. Ist es tatsächlich schon vorbei? Nee, nä?

In einer kleinen, unscheinbaren und recht flachen Bucht plötzlich Fischaktivität. Schnell Richtung Bucht fahren, Motor aus und langsam in Reichweite der Fische gleiten lassen. Einige Würfe später ist meine Rute krumm! Die erste Brownie aus dem Lough Ree! Kein Riese, aber wunderhübsch … und fett! Dürfte randvoll mit Maifliegen sein! Kurz danach drillt auch Siegi. Auch kein Riese, aber immerhin Fisch! Danach ist der Spuk wieder vorbei. Und bleibt es bis zur Dämmerung. Gegen Abend setzt ein starker Köcherfliegenschlupf ein und sporadisch sieht man auf dem See aktive Fische. Sehr sporadisch. Leider geht an diesem Tag absolut nichts mehr. Und auch am nächsten. Die Fische sind dermaßen satt. Kann man nichts machen. Oder doch?

Owen gibt uns angesichts der suboptimalen Browntrout-Bedingungen den Tipp, doch mal einen Versuch auf Hecht zu machen. Haben zwar nur Fliegengeschirr (zum Glück auch 8er Ruten dabei!), aber warum nicht? Am nächsten Tag suchen wir uns eine große und recht flache, krautige Bucht im Ostarm des riesigen Lough Ree bei Portanure. Nach anfänglichen Versuchen, werfend einen Hecht an Band zu bekommen, gehen wir nach einiger Zeit dazu über mit entsprechenden Sinkvorfächern die großen Streamer per Freihandschleppen über die Krautfelder zu ziehen. Hier riecht's förmlich nach Hecht!

Plötzlich ist Siegi's Rute krumm und biegt sich beängstigend! Da ist ein mächtig großer Fisch eingestiegen und reißt die Schnur von der Rolle! Schnell die eigene Rute eingeholt und Kamera klar gemacht! Macht mächtig Alarm der Brocken, flüchtet unters Boot und zeigt der 8er Rute ihre Grenzen. Aber der Alte Fliegenfischerpapst Siegi schafft's dann doch irgendwie, das Riesentier ans Boot zu dirigieren …. Der Boga-Grip greift und schon hält Siegi ein richtiges Krokodil von ca. 120 Zentimetern vor die Kamera!

Hat wohl irgendwann in seinem bisherigen Leben mal Pech gehabt, der Hecht: er ist auf einem Auge blind. Nach kurzer Foto-Session setzen wir ihn zügig zurück. Fast gelangweilt wirkend schiebt er sich zurück in „seine“ Bucht. Es folgen an diesem Tag noch einige weitere Hechte bis 75 Zentimeter, die allesamt spektakuläre Drills liefern. Und fast haben wir vergessen, weswegen wir eigentlich an den Lough Ree kamen …

Aber nur fast! Denn mit den Bachforellen haben wir irgendwie noch eine Rechnung offen!

Nüzzjanix,
Holger

Autor: Holger Bente